Zwischen zwei Stühlen

Stühle bestehen in aller Regel aus vier Beinen (sofern es sich nicht um Bürostühle oder Würfelhocker handelt), einer Sitzfläche sowie in den meisten Fällen aus einer Lehne sowohl in manchem Ausführungen sogar mit Armlehnen. Ob mit Stoff überzogen, aus Kork oder Korbmaterialien, Kunststoff/Plastik aber meist aus Holz. Wir benötigen sie in aller Regel in der Küche und (wer eines hat) im Esszimmer. Neben dem darauf sitzen eignen diese Vierbeiner sich manches mal als hervorragende Leiter oder gar als Sportgerät, um Beispielsweise seine Arme mit neuer Muskelmasse zu versorgen oder als Bauchtrainer für eine spezielle Art der weltberühmten Sit-Ups. Gerne dienen sie auch als einfache Ablagefläche oder als Ersatz-Nachtkästchen Muster und Farben variieren je nach Geschmack ebenso, so dass eine große Vielfalt vorhanden ist.

Ich habe die Varianten nicht mitgezählt, doch muss die Anzahl der Facetten von Menschen irgendwann recht nahe kommen.
Wie Du dir vielleicht denken kannst habe ich nicht vor, hier eine Stuhllehre vom Stapel zu lassen. Das Wort Stuhl oder die Mehrzahl Stühle könnten fast zu einem Wasserkessel werden. Einem Spiel das wir zu Schulzeiten oft als Lückenfüller verwendet hatten in welchem ein Wort (z.B. Tafel) umschrieben werden musste und der Rest der Mannschaft dieses zu erraten hatte. Ein Wort welches mindestens Zweideutig zu verstehen war, in unserem Beispiel die Schultafel sowie die Tafel Schokolade.

Nun verhält es sich mit den Stühlen nicht ganz so einfach und stellen in Wirklichkeit alles andere als ein Wasserkesselwort dar. Aber indirekt auf den Menschen bezogen weist das Wort bzw. der Gegenstand durchaus Parallelen auf. Nicht von ungefähr wird daher das Sprichwort

Zwischen zwei Stühlen sitzen

entstanden sein.

Ein Phänomen, welches meist dann zum tragen kommt, wenn eine Person zwischen Zweien steht. Die Eine vertraut einem ihren Gemütszustand, Geheimnis oder ihr Vorhaben an mit der Bitte, dieses nicht weiterzutragen, an. Der Wohlgesonnene respektvolle Mensch nimmt dies natürlich und vor allem ernst, behält es für sich.
Nachdem mehr oder minder etwas Zeit ins Land gegangen ist und der Vertraute wirklich den Mund gehalten hat erscheint plötzlich der Zweite bzw. Dritte im Bunde. Dieser spannt recht schnell dass mit Person Nr. 1 etwas nicht zu stimmen scheint. Denn an ihrem Gesichtsausdruck und Gemütszustandes merkt Nr. 3 das hier irgend etwas im Argen liegt und spricht diese besorgt darauf an. Der Vertraute steht mit dabei und empfängt einen Blick der Töten könnte und der Drops ist so zu sagen gelutscht. Nr. 2 wird ohne irgendein Zutun zur Zielscheibe. Aus dessen Sicht kann es ja nur der Eine sein, welcher sie verpetzt haben muss, ohne darauf bedacht zu sein, dass andere nicht auf den Kopf gefallen sind und lediglich ihr eigener Ausdruck zu der Anfrage führte.

Kompliziert und dennoch Real.

Der Vertraute zwischen den zwei Stühlen drückt anfangs noch ein Auge zu und beteuert so gut es eben geht seine Unschuld. Doch spätestens (sagen wir mal) dritten oder vierten Mal reicht es dann. Die Luft ist raus und er hat schlichtweg keinen Bock mehr immer als Sündenbock dazustehen nur weil er mit Beiden intensivst zu Tun hat.

Daraus ergeben sich mehrere Konsequenzen die es zu entscheiden gilt.

Da wäre die einfachste Variante welche besagt, alles wie gehabt weiterlaufen zu lassen und sich immer wieder aufs Neue zu rechtfertigen.
Aber auch die Möglichkeit des Rückzuges von einer der Beiden oder gar beiden rückt immer mehr in den Vordergrund.
Variante drei könnte der allseits bekannte Faustklopfer auf dem Tisch sein, um so die entstandene Wut herauszulassen bzw. einfach mal wirklich so richtig Klartext zu reden was man von den Anschuldigungen hält. Allerdings müsste das der Schuldzuweiser durch die ständigen Erklärungen und insbesondere anhand einiger vorangegangener Fakten bereits wissen.

Doch dem Vertrauten liegt es eigentlich fern noch weiteren Unmut zu stiften und befördert sich selbst in eine scheinbar nie endende Spirale.

Schwieriger wird es vor allem dann, wenn es sich im Kreise der Familie so verhält, die man bekanntlich nicht wie Freunde oder Bekannte einfach austauschen kann.

Salopp ausgedrückt, denn nach meiner Meinung lassen sich zumindest Freunde auch nicht so einfach austauschen bzw. ersetzen.

Und schon sind wir wieder bei den Vielfälligkeiten der Stuhlarten mit ihren Farben, Formen und Konsistenzen.

Stühle kann man jedoch umlackieren, umbemalen, mit einem neuen Stoff beziehen oder den Versuch starten es doch einmal mit nur 3 anstatt 4 Beinen zu probieren. Wobei letzteres sich mindestens so kompliziert wie die menschlichen Beziehungen herausstellen würde.

Das schöne jedoch an den Sitzgelegenheiten ist, dass diese weder einen kleinen noch einen großen Hintern ver- und beurteilen und auch sonst die Klappe halten. Sie machen einfach das wozu sie da sind und begnügen sich mit der Tatsache einfach nur ein Möbelstück zu sein.

Der Mensch vermag hier scheinbar lieber andere Wege zu gehen, da ein Gehirn vorhanden ist und macht daher leider manches mal auch nicht vor Unwahrheiten halt. Schade für den Zwischenstehenden, welcher dringend für sich eine Konsequenz und Entscheidung für die Zukunft treffen sollte. Ein Anderer wird ihm dies nämlich niemals abnehmen – können.

 

 

 

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