Der 500 € Schein

Ob man nun will oder auch nicht, manchmal kommt man einfach nicht drum herum seine Beine in die Hand zu nehmen und in die Hallen des Shoppingcenters zu marschieren. So geschehen in der vergangenen Woche. Es war nicht so, dass es hätte zwingend sein müssen, aber auch ich kann ab und an nicht anders wenn beispielsweise ein Hygieneprodukt zu Ende gegangen ist, oder sonstige Liebsame Luxuritäten wieder frisch aufgefüllt werden wollen.
Das schöne warme Wetter sowie eine seltene Lust ließen mich den Weg mit Freuden angehen, nichts ahnend, dass dieser Mini-Shopping-Trip alles andere als gewöhnlich werden wird.

Gut gelaunt watschelte ich also los und versuchte, dort bereits angekommen, meine zwei bis drei Dinge ausfindig zu machen. Laden Nr. 1 zeigte mir schnell, dass ich Erfolglos bleiben würde. Produkt Nummer 2. stellte sich in Laden Nr. 2 ebenfalls als Niete heraus. Nein, ich war weder enttäuscht, noch Sauer oder sonst etwas, dafür war meine Laune wohl zu bombastisch. Außerdem stelle ich in meinem Umfeld längst nicht mehr ein Wunder dar, wenn ich mit leeren Händen nach Hause komme, weil ich höchst wahrscheinlich nicht richtig geschaut habe, oder eben die Artikel, die man benötigt, einfach nicht aufgefüllt sind.

Im dritten Laden, einem Kiosk, den ich hin und wieder aber dennoch nicht oft betrete, wurde es plötzlich kurios.
Diesmal schien irgendetwas anders zu sein. Kaum eingetreten schossen mir Gedanken von Einbruch in den Kopf, doch nach kurzer Umschau verflog dieser recht schnell wieder. Die paar Quadratmeter waren außer den zwei Verkäuferinnen und mir leer, nichts lag in der Gegend herum oder deutete auf einen Überfall hin. Doch etwas war anders.

Eine der beiden Verkäuferinnen kannte ich bereits durch meine Besuche und sie war letztlich ein Grund mit, was mein kurioses ungutes Gefühl nur noch mehr bestätigte. Sie entschuldigte sich direkt bei mir total hektisch. Erst nachdem ich ihr sagte, dass sie sich doch bitte Zeit lassen solle, rückte sie dennoch mit der Sprache heraus.
Eine fesche kleine Dame, die sich eigentlich immer zu helfen weiß, stand diesmal wirklich klein, ängstlich und etwas verwirrt vor mir.

Laut ihrer Aussage musste direkt vor mir ein Kunde da gewesen sein, welcher schließlich mit einem 500 € Schein bezahlen wollte. Da sie so eine hohe Summe ohne des Chefs nicht annehmen durfte, versuchte sie dies dem Kunden auch so zu erklären. Freundlich, lieb und nett, wie ich sie kenne, anders kann ichs mir nicht vorstellen. Doch irgendwie schien dies völlig nach hinten los gegangenzu sein und ihr wurde letztlich mit einer Anzeige gedroht.

Wie gesagt, ich kenne sie selbstbewusst und nicht auf dem Mund gefallen, doch es musste recht heftig gewesen sein. Ich hörte ihr solange zu bis sie sich beruhigt hatte und äußerte schließlich auf ihr Fragen hin meinen Wunsch. Nichts ahnend was dann folgen würde. Völlig aufgelöst schlug sie ihre Hände über den Kopf und meinte nur:

„Oh Neiiiiiiiiin!!!!!!!!!!! habe ich in der Menge leider nicht vorrätig, am Freitag würde Nachschub kommen und sie ließe dann direkt für mich es beiseite legen.

Nun bekam ich langsam selbst Angst, sie drohte mir schier zusammenzubrechen. Erneut versuchte ich sie zu beruhigen.

„Kein Problem, dann geben sie mir eben das was sie da haben und ich komme Freitag wieder. Das ist überhaupt nicht schlimm, davon werde ich nicht sterben.“

Puh noch mal Glück gehabt, sie fasste sich wieder und ich konnte sie mit ihrer Azubine alleine lassen. Am liebsten hätte ich sie jedoch fest in meine Arme genommen, so leid tat sie mir. Was immer auch da vorhin vorgefallen sein musste, es reichte aus, um eine fesche Frau mittleren Alters so aus den Bahnen zu werfen, dass man ihr als Chef vermutlich lieber den Rest des Tages frei gegeben hätte.

Zwei Tage später dann brauchte ich kaum den Laden zu betreten, da stand sie bereits mit meiner Bestellung in der Hand da. Auch diesmal kurzzeitig sich entschuldigend und ich sie beschwichtigend (hatte ja Zeit). Die Lage dort hatte sich glücklicherweise wieder gelegt und alles war wie früher.

Solch Situationen hat man wahrlich nicht alle Tage und ich kann es nicht von der Hand weisen, dass ich am liebsten bei dieser Aktion Mäuschen gespielt hätte. Vielleicht um einzugreifen, auch wenn dies mit Sicherheit nicht sein musste oder gar die Situation sogar verschlimmert hätte. Schließlich erkundigte ich mich an anderer Stelle darüber, ob sie tatsächlich eine Anzeige zu befürchten hätte, doch dies wurde beneint. Ladenbesitzer und seine Verkäufer haben durchaus das Recht solch große Scheine abzulehnen. Zu groß könnte die Wahrscheinlichkeit von Blüten oder Schwarzgeld sein. Außerdem kommt es wohl auch immer darauf an, was man denn in welchem Wert kauft. Um ein Produkt im Wert von 10 € mit einem 500er-Schein zu bezahlen wäre auch unverschämt.

Ich will nicht wissen wie sich manche in Kaufhäusern verhalten und auch nicht, was all die (teilweise) guten Verkäufer so mitmachen müssen. Hut ab, vor allen, die diesen Job tagtäglich ausüben und die Maschen der Menschen da draußen über sich ergehen lassen müssen.

 

 

 

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